HÄMORRIDEN

 

Hämorrhoiden bzw. Hämorriden (griechisch haíma = Blut, rhéin = fließen) sind arteriovenöse Gefäßpolster, die ringförmig unter der Enddarmschleimhaut angelegt sind und dem Feinverschluss des Afters dienen. Wenn von Hämorriden gesprochen wird, ist damit aber meist deren krankhafte Vergrößerung durch krampfaderartige Blutstauungen gemeint.

Das schmerzvolle Hämorrhoidalleiden ist weiter verbreitet als vermutet. Schätzungen gehen von bis zu 50 Prozent der Österreicher aus, die damit konfrontiert sind. Trotzdem ist das Thema Hämorriden noch immer tabuisiert. Mehr Menschen könnten und sollten Hilfe suchen und das Problem wirksam lösen.

Hämorriden hat jeder, denn dabei handelt es sich um die natürlichen Schleimhautpolster aus Venengeflechten, Bindegewebe und Muskelfasern im untersten Teil des Mastdarms. Das heißt, die Hämorridenzone befindet sich am Übergang des Mastdarms in den Analkanal. Gelegentlich werden Hämorriden auch als hämorrhoidale Schwellkörper bezeichnet. Sie sind neben dem eigentlichen Schließmuskel für den Verschluss des Enddarmes verantwortlich.

 

Eine ähnliche Erkrankung mit der Bezeichnung Analthrombose (= unechte Hämorrhoide) (teilweise irrtümlich als „äußere Hämorriden“ bezeichnet) entsteht durch Ausbildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in den Venen der Analhaut und wird medizinisch exakt Perianalthrombose genannt. Hier zeigt sich ein blauschwarzer, sehr druckschmerzhafter, prallelastischer Knoten neben dem After. Die Erkrankung ist in der Regel harmlos und heilt unter begleitender Therapie mit Sitzbädern und örtlichen Schmerzmitteln von selbst. Nur wenn der Patient den Schmerz nicht aushalten kann oder Zweifel an der Diagnose bestehen, ist eine operative Entfernung nötig.

Wie viele andere Erkrankungen auch, durchlaufen krankhafte Hämorriden mehrere Krankheitsstadien, die mit verschiedenen Symptomen verbunden sind. Die mit Hämorriden einhergehenden Schmerzen und Unannehmlichkeiten können sein:

  • Hellrotes Blut am Stuhl, in der WC-Schüssel, am Toilettenpapier oder in der Wäsche
  • Jucken, Nässen, Schmieren
  • Fremdkörpergefühl
  • Gefühl der unvollständigen Entleerung
  • Vorfall von Knoten beim Stuhlgang
  • Schmerzen am After
  • Im fortgeschrittenen Stadium Störungen der Stuhl-Kontinenz (Fähigkeit, Stuhl und Darmwinde sicher zu halten)

Die Intensität des Schmerzes ist nicht automatisch ein Hinweis für den Schweregrad der Erkrankung. Blutungen können in jedem Stadium auftreten.

 

Krankheitsstadien

Stadium I: vergrößerte Hämorrhoidalpolster mit Beschwerden
Stadium II: Vorfall von Knoten beim Stuhlgang, die sich von alleine wieder zurückziehen
Stadium III: Vorfall von Knoten, die manuell wieder zurückgeschoben werden müssen
Stadium IV: vorgefallene Knoten, die sich nicht mehr zurückschieben lassen

Hämorriden können mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Der Arzt kann eine eingehendere Untersuchung vollziehen, die normalerweise eine Rektal-Palpation (Ertasten der Schließmuskeln und evt. Knoten) und eine Enddarmspiegelung (=Rektoskopie) beinhaltet.

Damit kann sicher festgestellt werden, ob es sich um Hämorriden oder um eine Thrombose handelt (Blutgerinnsel am Afterrand), ob eine Fistel (entzündeter Verbindungsgang zwischen Darm und Haut) oder Fissur (Riss in der Schleimhaut) vorliegt.

Je nach Stadium gibt es unterschiedliche Therapieansätze – von konservativer Behandlung bis zur Operation.

1. Konservative Behandlung
Konservative Behandlung bedeutet nicht-operative Behandlung und wird bei Hämorriden der Stadien I, II und teilweise III angewandt. Neben bewährten Hausmitteln (Sitzbader) zählen dazu Salben, Zäpfchen sowie Medikamente, die normalerweise darauf ausgerichtet sind, die Entzündungen zu hemmen bzw. das Immunsystem anzuregen.

2. Chirurgische Behandlung: Hämorridenoperation nach Longo
Wenn die konservativen Behandlungsmaßnahmen erfolglos bleiben, hilft nur noch ein operativer Eingriff. Der italienische Arzt Dr. Antonio Longo hat eine Operationstechnik entwickelt, die bei fortgeschrittenem Hämorrhoidalleiden zur Anwendung kommt. Sie wird bei Hämorriden im Stadium III sowie sehr begrenzt auch im Stadium IV eingesetzt. Sie wird von zahlreichen namhaften Experten als vielversprechende und sehr gute Methode beurteilt. Die Operation nach Longo wird auch PPH-Verfahren (Procedure for Prolapse and Hemorrhoids) oder Hämorrhoidopexie genannt.

Die Operation wird mit einem Rundnahtgerät (dem so genannten Circular-Stapler) durchgeführt, wie man es in der Bauchchirurgie zum Verbinden von Darmteilen verwendet.
Die Hämorriden in der empfindlichen Haut des Afters werden nicht berührt. Es wird im schmerzunempfindlichen Enddarm ein ca. 3 cm breiter Schleimhautring ausgestanzt und der Defekt überbrückt (Abb. 2).

Ein ca. 3 cm breiter Schleimhautring wird ausgestanzt.

Durch die verringerte Blutzufuhr, den verbesserten Blutabfluss aus den Schwellpölstern und deren Rückverlagerung in den Analkanal ist eine volle Funktion des Kontinenzorgans gewährleistet. Die Hämorriden bilden sich rasch zurück (Abb. 3).

Operatives Ergebnis

Die Vorteile der OP-Technik nach Longo

… bei der Operation:

  • Geringe Schmerzen: Der operative Eingriff findet im Endbereich des Mastdarms statt. Die Schleimhaut im Mastdarm weist im Gegensatz zur Schleimhaut im Analbereich keine schmerzleitenden Nervenfasern auf.

  • Alternativ kann unter lokaler und regionaler Betäubung sowie unter Narkose behandelt werden.

  • Die Operation dauert lediglich 10 bis 15 Minuten.

  • Hohe Erfolgsrate

  • Blutverlust nicht höher als bei konventionellen Verfahren, meist sogar geringer

  • Keine Verletzung des Schließmuskels

  • Geringe Komplikationsrate

… nach der Operation:

  • Verkürzung des Spitalsaufenthalts auf wenige (2-4) Tage gegenüber den konventionellen Verfahren (ca. 5-10 Tage)

  • In der Regel ist der Patient schon am ersten Tag nach der Operation schmerzfrei.

  • Geringe bis keine Schmerzen; bei anderen Verfahren muss mit mindestens 14-tägigen massiven Schmerzen gerechnet werden.

  • Keine offene Wunde

  • Im Gegensatz zu den bisherigen OP-Methoden eine üblicherweise wenig aufwändige Nachbehandlung

  • Deutlich geringerer Verbrauch von schmerzstillenden Arzneimitteln

  • Massive Verkürzung der Krankenstandsdauer: Nach ca. 1 bis 2 Wochen kann die Arbeit wieder aufgenommen werden. Bei den bislang praktizierten Methoden blieb der Patient gegebenenfalls 4 bis 6 Wochen arbeitsunfähig.

  • Die Funktion des Schließmechanismus wird nicht gestört. Die vorgefallenen Hämorriden bleiben erhalten und werden wieder eingerichtet. Das Corpus cavernosum recti, so der Fachterminus für das Hämorriden-Geflecht, bleibt erhalten.

  • Gleich der erste Stuhlgang nach der Operation ist in der Regel problemlos.

 

  • Postoperative Blutungen und Schmerzen

  • In seltenen Fällen verengt sich durch Narbengewebe der Anus, was den Stuhlabgang erschweren könnte. Diese Schließmuskelenge (Anal-Stenose) kann vorübergehend oder anhaltend sein.

  • Die Operation kann auch die Kontrolle des Stuhlgangs beeinträchtigen. Dieses Problem ist in der Regel zeitlich begrenzt und verbessert sich mit der Zeit.

  • Es können sich später erneut vergrößerte Hämorriden bilden (Rezidiv).

 

Die beste Möglichkeit zur Prävention von Hämorriden besteht in einer ballaststoffreichen Ernährung. Beispielweise Müsli, Obst, Vollkornbrot oder Weizenkleie sind ideal, um die Verdauung anzuregen und somit zur Vorbeugung von Verstopfungen beizutragen.

Gepaart mit einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme (mind. 2 Liter pro Tag) und soviel Bewegung, wie Sie einrichten können, sind dies die besten Mittel gegen Hämorriden.

Hygiene: Starkes Reiben mit Papier ist ungunstig, besser ist der gebrauch von Feuchttuchern.

Richtige Stuhlentleerung: „Man soll wenn man muss und nicht wenn man will“. Stuhlgang soll nur erfolgen, wenn Stuhldrang besteht und nicht zu einer bestimmten Zeit erzwungen werden. Achten Sie darauf, beim Stuhlgang nicht zu stark zu pressen und sich entsprechend Zeit zu lassen. Abfuhrmitteln fuhren zur Gewohnung und sind nach langerem Gebrauch schadlich.

Bei Problemen sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen und auf Eigenbehandlung verzichten.

Bei rechtzeitiger Behandlung sind Hämorriden meist ein kleines Problem und schnell in den Griff zu kriegen. Wenn Sie zu lange warten, kann Sie die Behandlung von Hämorriden aber als durchaus langwierig und äußerst unangenehm herausstellen.